mercoledì 31 agosto 2011

Schwester Radio. Deutsche Sondersendung. Annette Dasch im Konzert. Gretchenfrage oder Gesangsfrage?

Am Abend des 28. August hat Arte ein Konzert aus dem Münchner Herkulessaal übertragen, in dem die deutsche Sopranistin Annette Dasch Lieder und Arien präsentierte, die hauptsächlich um die Person des „Gretchens“ kreisten. Daher auch der Titel des Programms: „Die Gretchenfrage“. Wir fragen allerdings, ob das Programm nicht eher „Die Gesangsfrage“ heißen sollte. Die Starsopranistin hat nämlich das gesamte Programm mit derart großer technischer Unzulänglichkeit und blassem, durch die mangelhafte Gesangstechnik stark eingeschränktem, Ausdruck vorgetragen, dass uns zwischen Schuberts „Gretchen am Spinnrade“ und Marguerites Juwelen-Arie aus Gounods „Faust“, nur eine einzige Frage relevant zu sein schien: „Nun sag, wie hast Du’s mit der Gesangskunst?“


Nach der Fernsehübertragung des Bayreuther „Rattengrin“, in der die Starsopranistin eine gerade nur befriedigende Elsa darstellte, hielt es das mediale Konsenssystem für nötig, dem musikliebenden Publikum ein Konzert mit Annette Dasch zu bieten, in der die deutsche Sängerin wieder einmal beweisen konnte, dass sie von Gesangskunst nicht viel hält. Wir hätten diesem Konzert gar keine eigene Rezension gewidmet, wenn die junge deutsche Sängerin mit all ihren stimmlichen Mängeln und Symptomen nicht geradezu ein Paradebeispiel für einen Gesangs-Stil, geradezu ein „stimmliches Krankheitsbild“ wäre, das europaweit begeisterte Anhänger bei Sängern und Gesangsprofessoren findet und eine ganze Generation junger Sänger auf einen Irrweg führt, der so gut wie keine positive Stimmbildung und -entwicklung zulässt. Die Hauptmerkmale dieser Art zu singen sind
• eine tiefe, kehlige Positionierung der Stimme,
• künstliches Abdunkeln des Timbres,
• künstliches Vergrößern und Aufblasen des mittleren und tiefen Registers
• ständiges Forcieren anstatt einer Stützung des Klanges durch diaphragmatisch-dorsalen Atemdruck.

Das ist der Ersatz für die gesunde italienische Technik, die wesentlich auf einer konstanten Atemstütze basiert und der Stimme zum vollen Blühen des Timbres und zu Festigkeit, Stetigkeit und Wachstum verhilft, die ihrerseits die Anerkennung des tatsächlichen Stimmmaterials und seiner natürlichen Grenzen voraussetzen. Das Fehlen der richtigen Atemstütze führt zu einer permanenten Destabilisierung einer homogenen Stimmdurchbildung, verhindert jegliches Legato-Singen und bewirkt wegen des größeren Drucks auf die Stimmbänder einen vorzeitigen Alterungsprozess, in dem die Stimme frühzeitig an Volumen, Frische und Strahlkraft einbüßt. Die tiefe, gutturale Positionierung der Stimme und das Nicht-Anerkennen der natürlichen Stimm-Ressourcen durch das künstliche „Aufpumpen“ der Stimme um den Klang zu vergrößern und in die Breite zu treiben verursacht zudem, dass die Sänger selbst ihre Stimme zwar tatsächlich als voluminöser empfinden, die Stimme aber im Raum wenig Tragfähigkeit besitzt und nicht in ihrem ganzen Klangreichtum zum Schwingen kommt. Sie klingt verquollen, stumpf und farblos.
Annette Dasch teilt dieses „Krankheitsbild“ mit einer großen Anzahl ihrer jungen Kollegen und Kolleginnen. Sie mag sogar eine der extremsten Exponentinnen dieser „Methode“ sein (wobei ein Jonas Kaufmann mit dem gleichen System mehr Kohärenz aufweist, es aber trotz der Schädlichkeit der Methode schafft, sie in ein gewisses Ausdruckssystem umzumünzen). Das Einzige, was Annette Dasch auszeichnet, ist, dass das Konsens- und Marketingsystem aus den vielen mittelmäßigen Begabungen ausgerechnet sie für eine standardmäßige „Star“-Laufbahn auserwählt hat. Wir hatten in unserer längeren Auseinandersetzung mit dem Problem „Bayreuth“ schon erwähnt, dass die Probleme der Dasch in der Rolle der Elsa nicht mit nur dem Argument entschuldigt werden können, dass die Rolle für sie eine Kategorie zu groß war - wobei von ihren Anhängern sofort auf ihre Affinität mit Mozart hingewiesen wird. Noch einmal wollen wir betonen, dass mit systematisch fehlender Atemstütze (daher mit permanent forcierten und geschrienen hohen Tönen, Timbre-Ungleichmäßigkeiten, Schwierigkeiten im Registerwechsel) und einer inexistenten musikalischen Linie auch Mozart nicht gesungen werden kann. Im Gretchen-Konzert hatte die Starsopranistin relativ gesehen weniger stimmliche Probleme als in den Bayreuther Aufführungen, aber das ungesunde Gesangsprinzip (besser gesagt dessen Prinziplosigkeit) ändert sich dabei nicht. Man höre nur gleich die ersten hohen Töne, die sofort an Farbe verlieren, und bemerke die große Anstrengung, die sich sowohl in der Stimme als auch in den Gesichts- und Körperbewegungen der Sopranistin widerspiegeln.
In diesem Kontext stellen wir eine weitere generelle Gretchenfrage: Wessen Schuld ist all das?
Der Grund des sinkenden Gesangsniveaus wird gerne der „unmenschlichen“ und inkompetenten Geschäftsführung der Opernagenturen und Intendanten oder der Regiediktatur zugeschrieben. Kaum jemand hinterfragt aber die Methoden, die heutzutage die Mehrheit der Gesangslehrer anwenden. Gerade diese von ihnen verbreitete „Ästhetik“ ist es aber, die zu dieser äußerst unfreien und angestrengten Stimmemission führt und verursacht, dass Sänger wegen der vorgetäuschtem dunkleren Stimmfarbe, eines künstlichen Volumens und einer gewissen „Dicke“ des Materials systematisch auf ein falsches und ungeeignetes Repertoire angesetzt werden.
Wenn die Professoren nicht anerkennen, dass diese nachkriegszeitliche (aber im Grunde schon in der Bayreuth-Reform von Cosima Wagner vorgezeichnete), im Wesentlichen deutsche Methode gescheitert ist und junge Talenten systematisch ruiniert, wird der Stagnationsprozess nicht mehr anzuhalten sein. Mit all der musikgeschichtlichen Literatur, dem anatomischen Forschungsstand und den zahlreichen Tonaufnahmen sollte es ja eigentlich theoretisch leichter fallen, eine richtige Entwicklung der Stimmen zu sichern. Stattdessen wird mit beneidenswerter Konsequenz Alles getan, um zu verhindern, dass die Stimmen ihrem natürlichen Potenzial entsprechend behandelt werden und ihnen Zeit und die technische Möglichkeit belassen wird, allmählich zu reifen. Leider gibt es auf dem Horizont noch kein Zeichen des Willens zu einer Wende in Sachen Gesangstechnik. Die letzte Gretchenfrage lautet also: Muss man unbedingt auf einen kompletten Bankrott warten?

Selma Kurz & Giuditta Pasta

Sommario in italiano del concerto di Annette Dasch trasmesso da Arte il 28 agosto

Invece di grisinamente secernere veleno su come Annette Dasch ha urlato ogni nota acuta, come ha gonfiato e forzato il registro centro-grave ed ha dimostrato una totale mancanza di appoggio e respirazione corretta e di una linea musicale degna di questo nome, abbiamo preferito sviluppare una riflessione sul nuovo metodo di canto di stampo essenzialmente tedesco e sul suo profondo fallimento, del quale per l'appunto il canto di Annette Dasch fornisce un ottimo (si fa per dire) esempio.







10 commenti:

Selma Kurz ha detto...

Ein weiteres großes Defizit bei dieser Art zu singen ist die mangelhafte Texttdeutlichkeit. Die Stimmen sitzen so weit "hinten" im Hals und haben einen derart kehligen Klang haben, weil der Ton mit zuviel Druck gebildet wird, daß sie kaum klar und deutlich artikulieren können. Bei einem Sänger wie etwa Kaufmann versteht man - wenn man den Text nicht kennt - obwohl er als deuttschsprachiger Sänger in seiner Muttersprache singt, kaum ein Wort.
Aber das mit Abstand schlagkräftigste Argument bedarf keiner Worte: wer Ohren hat, der höre den Unterschied zwischen einer Annette Dasch und Tiana Lemnitz.

Giuditta Pasta ha detto...

Das Ironische an der Sache ist ja, dass man mit dieser "nachkriegs-deutschen" Methode gerade die Textverständlichkeit (besonders im deutschsprachigen Repertoire) zu verstärken wähnt.
Auch hier geht es eigentlich um das unselige Erbe der Cosima mit ihrer Sprechgesang-Theorie. Sie hat nicht nur Wagners Gedanken zu einer richtigen Artikulierung des Deutschen während des Gesangs missverstanden, sondern hat dafür auch eine völlig unmusikalische Methode zusammengebastelt: statt eines Legato-Singens, das der deutschen Sprache gerecht werden sollte, förderte sie einen Stil, der der gesprochenen Sprache so nah wie nur möglich kommen sollte. Deswegen auch das Zurückwerfen der fürs klassische Singen nötigen Phonationstechnik, der Homogeneisierung der Vokale in der Maske, in einen Naturalismus, in dem genauso gesungen wird, wie man spricht.
Auf eine oder andere Weise hat sich diese "Technik" im Norden auch trotz der Sänger wie Tiana Lemnitz,Frida Leider, Heinrich Schlusnus und anderer durchgesetzt und wird heute geradezu auf alle möglichen Fächer angewendet.

massimo fazzari ha detto...

un poco fastidioso il vibrato della leimniz

Fabrizio ha detto...

Adoro la lingua tedesca, ho fatto un corso dove ho capito che non c'è possibilità per me di apprendere quella meravigliosa lingua!e così una breve risposta in Italiano.
Va bene, in questo blog avete i vostri bersagli, che spesso condivido!, ma perchè insistere tanto conla Dasch, che non è nulla internazionalmente parlando, è solo una deliziosa,discreta cantante mozartiana e BASTA!!
Parlando di lei, le si fa solo della pubblicità che non merita, in quanto diva o pseudodiva non sarà mai!

Giuditta Pasta ha detto...

Caro Massimo,

http://www.youtube.com/watch?v=AYKFmgF0MbM

ti va meglio questa? ;)



Ciao Fabrizio,

non ho capito: hai letto e compreso l'articolo o no?
Se hai letto (e compreso), avresti capito che della Dasch parliamo ben poco. Facciamo piuttosto una generalizzazione sui problemi vocali che incontrano i giovani cantanti, soprattutto quelli di stampa tedesca, e le loro cause teoretiche.
Comunque, non sono sicuro che la Dasch sia una "deliziosa, discreta cantante mozartiana". L'ho scritto due volte (in tedesco) e lo ripeto anche adesso in italiano che con una voce spoggiata, stimbrata ed ingrossata non si canta né Mozart né Wagner né Janacek. Altrimenti finisci come la Dasch che ormai sembra una vecchia cantante con una carriera di 40 dietro di lei. E' una cosa grave. E lei non è l'unica.

Selma Kurz ha detto...

La Lemnitz almeno ha un vibrato REGOLARE.

Giuditta Pasta ha detto...

Talvolta non ne ha affato. E' terribilmente fissa. E non è una scelta stilistica-baroccara nel suo caso.

Domenico Donzelli ha detto...

tutti i difetti poteva avere la lemnitz tranne che il vibrato. Anzi per il pubblico mediterraneo talvolta suona fissa negli acuti. Esiste un' esecuzione dell' aria di leonora del trovatore che sarebbe unica se non ci fosse questo limite. Ho il dubbio che ci siamo due lemnitz! quanto alla dasch ci viene servita come fosse una lemnitz una muller o una reining e allora. . . itz tranne che il vibrato. Anzi per il pubblico mediterraneo talvolta suona fissa negli acuti. Esiste un' esecuzione dell' aria di leonora del trovatore che sarebbe unica se non ci fosse questo limite. Ho il dubbio che ci siamo due lemnitz! quanto alla dasch ci viene servita come fosse una lemnitz una muller o una reining e allora. . .

Giulia Grisi ha detto...

Ciao Fabrizio.
Dai, noi non abbiamo bersagli. O meglio, bersagliamo la mancanza di tecnica e la supervalutazione senza fondamento, questo si. Come pure il revisionismo storico intyeressato e peloso.
A presto

Fabrizio ha detto...

No, l'articolo non l'ho letto, tanto non l'avrei capito. Il tema è sicuramente molto interessante e mi piacerebbe leggerlo in Italiano. Ciao Giuditta!
e ciao Giulia, beh i bersagli ci sono eccome, ma concordo con te che spesso meritano tale stato per i motivi da te elencati.Cordialmente.Fab.